Schmerzen für den guten Zweck - bei Alicja Lisiak:

Ein Tag, an dem die Tränen flossen – doch jede von ihnen für einen wirklich guten Zweck. Und auch ein Tag, der mich erinnerte an einen in den 90ern – ich hatte im Beauty-Salon von Pionier Reza Homan gesessen, dessen Schwester gerade in die Technik des Permanent Make up eingewiesen wurde. Unter anderem bei mir als Modell (Händchenhaltend mit meiner Freundin Duni). Wenige Jahre später nahm sich der Promi-Visagist das Leben.

 

Man soll ja seinen Körper lieben, wie er ist, wie er war und wie er sein wird. Man und sollte – Begriffe, mit denen ich selten etwas anzufangen wusste. Und so macht Frau sich auf den Weg ins kleine, aber feine Studio von Alicja Lisiak in der Gertigstraße 44.

Es ist genau 1 Minute vor 12, ein Wässerchen steht schon bereit und die Betäubungscreme ganz sicher auch. Der Grund für mein Erscheinen:

der liebe Gott hatte bei meinen Lippen die Konturenlinien vergessen - ein himmlischer Scherz? Vielleicht auch nur ein kleiner Gendeffekt! Doch wer mich kennt, der hat mich niemals ohne Lipliner aus dem Haus gehen sehen. Niemals – in 35 Jahren nicht!

 

Ich teste das jetzt aus – von einer, die auch Bräuten schöne Haare machen und ein traumhaftes Make up zaubern kann für einen von vielen wunderschönen Tagen im Leben. Heute ist es MEIN großer Tag, und Tränen werden fließen, wie es nun mal Gang und Gebe ist, an SEINEM großen Tag.

 

Als ich mich auf die Liege drücke, wird mir klar: wenn ich den Raum verlasse, werde ich Lippenkonturen haben und vielleicht nie wieder einen Lipliner kaufen.

Nachdem die Lippen betäubt sind, setzt die erste Nadel an. In den 90ern gab es nur 1 Stärke, heute sind es 7! Die Betäubung wirkt, es tut nicht weh. Noch nicht!

 

Es tut weh! Es tut verdammt weh, ich brauche schönes Kopfkino. Ich stelle mir vor, es handle sich um eine Drahtbürste, die meine Lippen geschmeidig macht. Mit den Fingernägeln bohre ich mir ins Handfleisch, um den Schmerz an den Lippen irgendwie umzuleiten. Fehlanzeige!

Alicja ist so konzentriert, dass sie vergisst, mich aufzubauen und zu motivieren, ganz nach dem Motto: „Gleich vorbei! Das machst du toll! Du bist so tapfer! So schlimm ist es gar nicht mehr!“ - Nein, hier ist keine Märchenstunde, das einzige, das sie mir zuflüstert:

„Woooowwww! Was für ein Unterschied schon jetzt!“

 

Ich versuche zu lächeln, auch wenn ich das nicht darf, also grunze ich nur kurz und gebe Zeichen mit den Augen. Augen, aus denen dicke Tränen kullern. Meine Güte, habe zwei Geburten überlebt.... und andere Frauen lassen sich viel mehr noch stechen! Don't let me be a Weichei, please!

 

Nach 1,5 Stunden ist es still. Geschafft! Glücklich! Erleichtert! Und eigentich... ja, eigentlich könnte ich jetzt gleich nochmal. Ist wohl immer so, wenn Schmerzen nachgelassen haben, dass sie am Ende keine waren.

 

Als ich ein paar Freundinnen Bilder meiner Lippen schicke, kriege ich entsetzte Emojis: „Spinnst du?? Botox??“ - „Nein, ihr Schnuckis! Schwellllllllung!“

Ich freue mich auf den Prozess der Wundheilung. In 3 Wochen komme ich zur Nachkontrolle. Mit Lippenkonturen! Ha, der Genetik ein Schnippchen geschlagen! :-)

 

Bevor ich gehe, bekommt Alicja eine Anfrage rein. Eine Kundin hatte eine Brust-OP, die schief gegangen war. „Und was kannst du da für sie tun?“

Sie klärt mich auf, wie sensibel das Thema „Pfusch“ ist. Tatsächlich kann sie Brustwarzen nachmalen, kann dies und kann das.... ein echter Profi eben! Und eine, die sich oft bewegt unter den Schönen & Reichen. Doch egal wie schön oder reich die auch sind oder nur aussehen, Alicja sieht sofort, wer nur so scheint. Und das Alter macht ihr auch niemand vor, und dann hat sie natürlich noch den Blick für jeden permanenten Strich, der je gezogen wurde – solange er nicht von ihr kommt! :-)

 

Alicjas neue Seite ist zum Erscheinen dieses Artikels nicht ganz fertig geworden. Kontakt erst einmal hier: 

alicjalisiak.de