40 klingt für kleine Menschen alt. Und so weit weg vom ersten Tag. Möchten wir noch einmal 15 sein? Vielleicht in kurzen Augenblicken, wenn wir junge Mädchen tuschelnd auf der Straße sehen, sich kringelig lachend, weil ein junger Mann ihnen verstohlen einen Blick zuwirft. Und vielleicht, weil wir sie beneiden um dieses Gefühl, die ganze Welt liegt einem noch zu Füßen, und auch um ihren Blick nach vorn, wo man ab 40 langsam zurück blickt. Und um die Schmetterlinge, das erstes Kuscheln, der erste Sex. Die erste Zigarette, der erste Sekt, das erste Katerfrühstück und erste Gehalt auf dem Konto.

 

Doch auch noch mal die Schattenseiten dieser Adoleszenz erfahren? Pickel, Pauker, Panik? Nein! Wir sind da durch. Und wir sind gewachsen. Und wir sind gereift, ohne zu faulen oder ranzig zu sein, und ohne zu scheitern, auch wenn wir manche Prüfung auferlebt bekamen und miese Tage nicht mehr an nur 10 Fingern abzuzählen sind. Wir wissen, was wir wollen. Und was wir nicht mehr wollen. Wir können guten Sex von schlechtem unterscheiden, echte Männer von Weicheiern und Realisten von Blendern. Unsere Intuition in Bezug auf Menschen und Gefahren ist geschärft, unsere Antennen für das Schöne und Besondere im Leben sind poliert und ausgefahren – auf das, was zählt, auf das, was man nicht kaufen kann! Wir können sagen, was wir meinen, denn wir haben gelernt, uns zu behaupten. Wir vertreten unsere Meinung, sind authentisch und werden auch von Männern nicht mehr nur aus dem Blickwinkel ihrer Eier begehrt.

 

40 - das macht 4 Mal den zehnten Geburtstag. Und gleichzeitig mag es die Hälfte unseres Lebens sein. Mit 40 erleben wir an unseren Eltern, was Gebrechen sind. Was Alzheimer, Demenz, Herzinfarkte und Schlaganfälle sind. Und manchmal haben wir vielleicht auch Angst. Ist 40 nur ne Zahl? Eine Zahl, ja. Aber „nur“? Nein!

 

Mit 40 haben wir unser Päckchen zu tragen. Mit all den schweren und auch schönen Geschichten. Manche lassen wir los, weil wir gelernt haben, zu vergeben – und auch uns zu verzeihen. Mit 40 müssen wir nicht mehr bei H & M unsere Lingerie kaufen, und wir klauen auch nicht mehr wie bei C & A, weil das Taschengeld nicht reicht. Wir tragen Schuhe von Prada und surfen auch gern mal nach Designerlables auf ebay. Mit 40 gönnen wir uns Wochenendtrips nach London und den Latte Macciato im 5*****-Hotel mit unseren Freundinnen. Oder wir träumen zumindest davon, weil manchmal Illusion und Wirklichkeit sich nicht verbrüdern. Nicht bei allen – aber ich kenne die, die sich das leisten. Die einen haben es sich hart erarbeitet, die anderen eben hart erschlafen. Verdammt, 40 ist cool! Es ist alles andere als das Ende vom Lied - es ist gerade mal der Anfang einer wunderschönen Sinfonie. Wir können noch Kinder bekommen, …. und sogar bessere Orgasmen. Wir sagen, was wir wollen, denn wir wollen nicht auf Wunder warten. Wir schaffen Wunder einfach selbst!

 

Vielleicht haben wir mit 40 ein bisschen an Leichtigkeit verloren, weil wir wissen, dass der Himmel nicht nur voller Geigen hängt. Wir kennen uns mit Abschieden aus, mit Trennungen, mit Scheidungen, mit Fehlgeburten. Wir kennen sogar Depressionen, Cellulite und Untugenden wie Neid und Eifersucht. Aber verdammt, wir stehen mitten im Leben, im Hochsommer! Mit schwerem oder leichtem Gepäck, und umgeben von hoffentlich wenig guten statt vielen schlechten Menschen. Und wo die einen nur die biologische Uhr ticken hören, ziehen die anderen bereits in den täglichen Kampf gegen die Pubertät ihrer Brut. Wir zweifeln und verzweifeln oft genug, aber wir wissen auch in jedem Augenblick, wie kostbar alles ist, was wir erfahren dürfen. Wir schmieden unser Schicksal selbst, nehmen unser Glück alleine in die Hand und erschaffen unsere Zukunft, wie sie uns – nicht immer – gefällt. Verdammt, wir könnten doch so glücklich sein! Für jedes Wehwehchen gibt es eine Spritze, und für jedes Gramm Fett gibt es ein Studio.

 

Ich bin 48. Manchmal habe ich Angst. Aber meistens habe ich Lust! Lust, das Leben in schnelleren und volleren Zügen zu genießen als mit 15. Ich will die Welt erobern, denn lebenshungrig und neugierig bin ich noch immer! Wie dumm werde ich sterben, weil ich doch nur einen Bruchteil dessen erfahren werde, was mich fasziniert. Und wie reich werde ich eines Tages sterben, weil ich Spuren hinterlassen habe. Bei meinen Kindern, meinen Freunden, auch mir Unbekannten. Lasst uns genießen – Tag für Tag, Stunde um Stunde – Umarmungen statt Ellenbogen! Mehr WIR statt ICH. Mehr Kochen statt Fastfood und mehr Leidenschaft statt 0815. Mehr Gibran und Mann statt Konsalik. Mehr Führung statt Unterführung und mehr Offenheit und Mut statt Verschlossenheit und Feigheit.