Sagen Sie bloß, Sie kennen diese Tage auch? Danke!

 

Wenn plötzlich die Lichter ausgehen, die Antennen durchknallen, die Synapsen sich wieder entbinden und Sie im Dunkeln sitzen. Wenn der Tank einfach leer ist. Da schimpfte man sich Powerfrau, Powermami, Turbogeliebte, Mammutfreundin und spürt auf einmal, keinem dieser Titel gerade gerecht zu werden. Gibt es eine 2. Pubertät? In der ersten stellt man Gott und sich selbst ne Menge Fragen zum Leben. Und 3 Dekaden später gibt’s die Fragen noch immer. Nur fühlt sich jetzt eben alles um 3 Dekaden beschissener an, weil man jetzt so gebrechlich wirkt, doch man sich nicht mal eben gehen lassen, die Eltern nicht grundlos anmotzen, störrisch auf dem Bett rumspringen oder heimlich Blau machen kann. Wie geht das, immer souverän zu bleiben? Die Krux von Alleinerziehenden, den Kelch nicht mal eben an den Vater abzugeben.

 

Nein, wir müssen still halten, dürfen uns nicht von Zweifeln erschlagen lassen. Immerhin bleibt noch die Nacht, in der uns niemand braucht, in der wir weder sein noch tun müssen. Wären da nur nicht die vielen bunten Träume von Wechseljahren, Demenz und irgendwelchen Monstern, die uns fressen wollen.

 

Wie automatisch gesteuert regeln wir am Tage Haushalt, Kinder, Zahnarzt, Frauenarzt, Bauchweh und Kochen – natürlich neben unserem Job, noch besser: neben unserer Selbständigkeit. Man wollte sie ja unbedingt, man wollte die Fesseln der Festanstellung sprengen, wollte es schaffen, es sich beweisen, immer schön an sich glauben. Nicht jeder stand hinter dir, doch wer sich auflehnte, zog in florierenden Zeiten immerhin den Hut vor dir, weil deine Träume keine Luftschlösser waren.

 

Aber dann ist da Tag X. Und der schaut nicht mal kurz vorbei, der bleibt auch noch, der fühlt sich scheinbar wohl bei dir, mehr als du selbst! Und irgendwie bist du auch nicht allein, denn da ist das Piepen im Ohr und das Geschwüren im Magen, das flatternde Herz und den träge Darm, die dir Gesellschaft leisten wollen.

 

Nein! Jetzt nur nicht aufgeben! Nur nicht in Gedanken schon die Koffer packen und die einsame Insel ansteuern. Bloß nicht weiter ausmalen, wie es wäre ohne diesen Alltag, und ohne deine Kinder, die dich brauchen. Sie werden es dir niemals sagen, aber das müssen sie auch nicht. Genau wie auch dein Mann dich theoretisch gar nicht braucht, aber praktisch so sehr. Er wird es dir nicht sagen, obwohl du es von ihm natürlich hören willst. Also, zumindest damals, als der Ex noch Partner und Verbündeter war.

 

Ja. So eine Insel wäre schön. Doch schön sind auch die Freunde, sie kommen mit Tee, Baldrian, Kinokarten und Coaching-Tipps vorbei; versorgen dich mit Tempos, Küssen und Pralinen. Nicht, dass wir krank wären....wir sind einfach nur leer, obwohl wir voll sind – voller Sorgen und Zweifeln – Kopfkino zum Nulltarif! Da stimmt was nicht mit der Balance – vom einen zu viel, vom anderen zu wenig. Und dann mischt auch das Schicksal irgendwie so blöde mit. Deine Existenz steht auf dem Spiel, magere Zeiten prüfen dich, während viele andere noch immer im Geld schwimmen. Du weißt genau, dass du in deinem Job die Beste bist, doch irgendwie will das gerade niemand wissen. Und auf einmal wirst du ganz schön klein, weil niemand sagt, dass er dich braucht.

 

Ja, das Leben ist ne scharfe Braut. Mit ihr bist du verheiratet, dein Leben lang. Das ist 'ne Dauerbeziehung, da steigst du nicht einfach aus. Du hängst ja auch an ihr, sie ist doch voller Überraschungen. Aber heute magst du sie nicht, könntest ihr den ganzen Tag nur auf die Fresse hauen, auch wenn sie dir im Grunde gar nichts tut! Aber selbst dafür fehlt es dir an Kraft und Zeit, weil du damit beschäftigt bist, aufs Telefon zu starren. Wenn's wenigstens mal klingeln würde, du 'n Auftrag machst und weißt, die Miete ist auf sicher drin. Vielleicht sogar noch ein Friseurbesuch!

 

Weitermachen? Kämpfen? Aufhören? Loslassen? Doch welche Entscheidung du auch immer triffst, es wird immer jemand geben, der dir genau die andere empfohlen hätte. Nein! Wir machen einfach weiter, weil es immer so ist, und weil es ja auch gar nicht anders geht, denn irgendwas geht schließlich immer! Und manchmal will das Leben auch nur wissen, ob du noch im Dunkeln leuchten kannst. Denn eines ist sicher: das Leben ist nicht gegen dich! Und manchmgeweinnt man, und manchmal lernt man! Und Müdigkeit ist voll erlaubt! Und eigentlich weißt du auch genau, wie sehr du noch leuchtest, auch wenn gerade nicht alles perfekt ist. Und was ist überhaupt perfekt?

Die Ehe mit dem Leben ist nicht immer Wunderland, auch wenn es viel zu wundern gibt. Aber du weißt auch, dass es gleich wieder besser wird, weil es ebja en immer so war, und weil sich noch immer jedes Gewitter wieder verzogen hat. Und manchmal siehst du einen Regenbogen. Und bis zur nächsten Pubertät, den Wechseljahren, ist auch noch etwas Zeit. Und jetzt geht’s auch schon wieder besser. Jetzt hab' ich wieder große Lust aufs Leben!

Will neue Länder bereisen, alte Menschen sprechen, schöne Münder küssen und einfach lebenshungrig bleiben! Ich freue mich auf das, was vor mir liegt. Sogar auf ein paar starke Arme, die meine Schmetterlinge wecken, in denen ich mich beschützt und Frau fühle, auch ohne rot getuschte Lippen und hohe Stiefel.

So, und nun geht’s mir sogar schon wieder richtig gut! In diesem Augenblick. Und wie heißt es? Genieße den Augenblick, der der Augenblick ist dein Leben!