Gesucht habe ich sie nicht. Gefunden haben wir uns trotzdem. Um Punkt 11h sitzt sie mir gegenüber und strahlt mich aus dem Herzen an. 

 

Franciska Puscas, 34, doppel-Mami, Single. Im letzten Leben war sie Sekretärin, doch nach Jahren war klar: zu wirtschaftlich, zu wenig menschlich, extrem distanziert - komplettes Gegenteil von ihr selbst! Tinnitus war die Antwort, der Körper konnte der äußeren Fülle und inneren Leere nicht mehr standhalten.

Die Entlassungswelle des Unternehmens kam ihr recht, eine Abfindung nutzte sie für erste Fortbildungen in die richtige Richtung – in IHRE Richtung.

Bevor sie „Deutschlands 1. professioneller Kuschelservice“ gründet, war sie 2 Jahre lang im Auftrag "mehr Körperkontakt für die Welt" unterwegs, klärte frisch gebackene Eltern über die Bedürfnisse ihrer Babys auf.

 

Aufgewachsen in einer kalten Welt mit Gewalt, hielt nur die extreme Nähe zu ihrer Schwester (heute Therapeutin) sie über Wasser. Der Vater verstorben, die Mutter ausgewandert. Zeitlebens der rote Faden (die Suche) in ihrem Leben: nach Nähe, Zuwendung, Körperlichkeit, Sinnlichkeit und Zärtlichkeit.
 
Nicht grundlos wächst aus jedem Loch der Stadt ein Wellnessangebot - um sich zu spüren, aber auch, um den Hunger von Körper und Seele zu stillen. Berührungen - Futter für die Haut mit allen Sinnen.
Wo ihre Grenzen liegen, will ich wissen, denn ich habe Männer vor Augen, die mit Nähe zu schnell Sex verbinden. „Oberstes Gebot: jeder bleibt bekleidet. Höchstens bei einer Fußmassage verlange ich keine Socken“, lacht sie.
Beim Kuschelservice geht es nicht um Leistung. Es geht um Nähe – um Streicheleinheiten, Gespräche, Hüpfen, Knuddeln, Schweigen, Chillen – das Angebot bestimmt der Kunde. Eine Zielgruppe habe sie nicht, alle ab 18 seien herzlich willkommen. Kurz sprechen wir Jugendliche an, die ebenfalls danach dürsten könnten, einfach und endlich einmal richtig in den Arm genommen zu werden, doch niemand fühlt sich zuständig. Selbst Paare, die stets die Gelegenheit zum Kuscheln hätten - möchte man meinen - vernachlässigen sich, womit sie irgendwann sogar die Nähe verlernen können.   
„Wenn man kuschelt, repariert man sich gegenseitig!“
Das klingt schön und Puscas stellt fest, wenn ihre eigenen Freundinnen ihr so groß vorhandenes Bedürfnis nach Kuscheln abdecken könnten, gäbe es ihre Dienstleistung nicht. Sie schwärmt mir von den vielen Glücksminuten, die süchtig machen, nachdem sie z.B. von einer Massage kommt, von einer Anwendung wie Ayurveda oder gar vom Floating....es könne nicht nur ihr so gehen! „Auch Männer gehen nicht ausschließlich zu Prostituierten, um Sperma abzuspritzen.“
In den USA entdeckt Puscas professionelle CUDDLER / KUSCHLER.
Der Markt ist offen, das habe auch ich im Gefühl und muss daran denken, wie sehr ich selbst das Kuscheln liebe, und dass der Sex immer mehr zum Ereignis, aber nicht zum Ziel wird. Und zum Glück habe ich ziemlich kuschelige Freundinnen, besonders wenn sie länger Single sind.  
Puscas ist beseelt davon, Schönes in die Welt zu tragen, Heilsames, Verbindendes. Für Mensch, von Mensch. Nun spreche ich Tabus an, werfe ein, dass ich persönlich stets nur Menschen berührt, die mich auch optisch faszinierten - ich käme als Kollegin demnach nie infrage. Puscas ist mir viel voraus und erklärt: „In unzähligen Therapien und Selbsthilfegruppen lernte ich, ausschließlich das Schöne IM Menschen zu sehen, und so verblasst die Hülle, als gäbe es sie nicht einmal. Und selbst Hautunreinheiten stellen für mich eher das klare Signal für Abgrenzungen dar, die dem Schutz vor noch mehr Verletzungen dienen.“
Ihre Freundinnen und Kinder seien begeistert von ihrer Geschäftsidee, selbst ein Kumpel würde schon über einen Ableger in Berlin nachdenken.
Puscas trifft ihre „Kunden“ fürs erste Gespräch auf neutralem Boden, checkt die Chemie ab und bespricht Bedürfnisse, bevor privater Raum betreten wird. Ihr eigenes Zuhause bleibt dabei tabu und somit energetisch rein.  

 

Wo geht die Reise für sie hin? „Dass mich in 10 Jahren immer weniger Menschen brauchen, weil ich erfolgreich meine Botschaft in die Welt getragen habe, oder es "normal" sein wird, zu professionellen Kuschlern um die Ecke zu gehen. Diese Sehnsucht nach Herz-Intimität muss endlich besser gestillt werden.“
Mir fallen Menschen ein, deren Seelen vertrocknet scheinen, weil außer Kälte ihnen nichts begegnet. Und dabei sollte es normal sein, es zu tun: sich zu drücken, in den Arm zu nehmen, einander fest zu halten. Es kostet nichts, wird nicht erlernt und setzt 'ne Menge  Endorphine frei. Hätte Puscas ihre Dienstleistung nicht ins Leben gerufen, wäre sie selbst  und regelmäßig bei  professionellen Knuddlern anzutreffen. 
Was es bisher gibt? Kuschelangebote, die als einschlägige Kleinanzeigen auf den Markt drängen.
Als wir unser Gespräch beenden, habe ich nur ein Gefühl: 

ICH KÖNNTE JETZT DIE GANZE WELT UMARMEN! A, weil ich glücklich bin, dass es Menschen wie die Puscas gibt, und B, weil es mich traurig macht, dass zu viele Menschen auf Umarmungen verzichten müssen.