Ich hatte ihr frische Croissants versprochen, und stehe dann doch nur mit Weintrauben und Milka-Herzen in der Tür. Trauben seien ohnehin gesünder (und die Herzen?) - das Eis ist schnell gebrochen. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß – wie viele Verbindungen es zwischen uns gibt, nicht nur jene eine Straße, die von ihrer Wohnung zu meiner führt. 

„Schau dich ruhig um, Frau Wohnkosmetikerin“, lacht sie, und schwups sause ich durch die großzügig geschnittene Altbauwohnung. Stil, Geschmack und das Außergewöhnliche sind auffällig, ich mag es hier!

„Ich backe uns Bananenpfannkuchen, okay?“ Wie bitte? Geil! Womit wir fast beim Thema sind. Als sie die Eier mit den Bananen püriert hat, brät sie kleine Teigpfützen in einer Pfanne über dem Feuer.... bevor wir aber über Männer mit "richtigen Eiern" sprechen, entscheide ich mich lieber, die Chronologie einzuhalten. 

 

Nicole Staabs, geboren am 13.4.72 in Hamburg. Sie wächst bei ihrer Mama auf, doch der Kontakt zum Vater bricht nicht ab. Jetzt kommt die Oma noch ins Spiel, die ebenfalls lange allein geblieben sei, nachdem ihr Mann verstorben war (erschlagen und erfroren). Die Grande Dame gibt jetzt richtig Gas, bleibt ungebunden und entdeckt besonders ausgeprägte Genießer-Genen an sich. "Sie trug noch lange und lackierte Fingernägel bis ins hohe Alter!"

Nicole geht aufs Internat, schmeißt vorm Abi hin und beginnt eine Lehre zur Rechtsanwaltsgehilfin. Ich schneide kurz Grimassen, weil das so gar nicht zu ihr passt! Sie ist extrem entspannt, ist von auffälliger Erscheinung: groß, schlank, blond und attraktiv. Sie strahlt Selbstbewusstsein und Erfolge aus. Wodurch? Ich will's genauer wissen...

 

Sie spricht mir von ihrer ersten Liebe, einem Gastronomie-Sohn; von ihrem ersten Job im „Abaton“; von ihrem Studium als Kommunikationsdesignerin, weil man ihr zuvor eine „außergewöhnliche Begabung“ nachgesagt hatte.
Dann die erste Gründeridee, "in vino veritas". Ihre Entschlossenheit, Überzeugung und Liebe für Sushi-Spezialitäten treibt sie an und der Erfolg geht keinen Umweg: sie gründet in Hamburg das bekannte „raw like Sushi“!
Nach 8 erfolgreichen Jahren verkauft sie es (Ich selbst habe bereits viel Geld für Röllchen dort gelassen!), schnappt sich ihren Sohn und wandert mal eben für drei Monate nach Spanien aus. Sie ist wieder ledig, ungebunden und frei.
Getrieben vom Erfinden eines neues Konzepts, und um den Kopf von Vergangenem zu reinigen, kehrt sie schließlich mit einem Übergepäck an frischen Ideen zurück nach Hamburg.
In HH-Pöseldorf eröffnet sie das „Ben“, ein exklusives und außergewöhnliches Spezialitäten-Restaurant (mit Catering) japanischer Küche UND Sushi-Kreationen, die eigenwillig, originell und süchtig machend sind. Natürlich fuhr ich fast täglich mit dem Rad vorbei, immer Sabber bis zum Kinn, wenn ich die Speisekarte las. Und erst der Blick durch die hohen Scheiben auf die schwarzen Wände, Design & Kult in einem! 2013 schließt sie nach 8 Jahren zum letzten Mal die Tür zu ihrem Restaurant. Endlich Zeit – für die neue Liebe und das neue Baby „Detox Hamburg“, das sie 2010 bereits  gründet hatte!

 

Vorangegangen waren Berichte über das Entgiften ("detoxing"), der beginnende Hype in Amerika. Es reizte sie, und sie erkannte mehr als nur ein Trend darin. Feuer gefangen, und schwups nach Hamburg geholt - war sie doch ohnehin empfänglich, nachdem sie zum wiederholten Male mit dem Rauchen aufgehört hatte und auf der Suche nach mehr Wohlbefinden durch spezielle Kost zur Steigerung der Gesundheit war. 6 Jahre liegt das zurück, und heute? Detox-Angebote sprießen wie Unkraut. Ob man den Begriff noch hören kann? Selbst diese Frage kann sie einfach nicht aus der Ruhe bringen... 

 

Der Erfolg verwöhnt sie schon wieder, sie spricht sich bis zu Verlagen herum und bekommt das verlockende Angebot von Gräfe und Unzer, ein Buch zu schreiben. „Wenn ich eins nicht kann, dann ist es das Jonglieren mit Worten!“ stöhnt sie, während mir sofort das Herz aufgeht. Zum Glück beschränkt sich ihre Arbeit für das Buch auf ihre Stärken: Rezepte! „Detox – das Kochbuch“ wird zum absoluten Run auf dem Markt, die Presse hat es auf sie abgesehen und ihr Bekanntheitsgrad bringt sie am Ende auch in Talkshows. Es gibt kein Halten und kein Ruhen mehr, und schon flattert die nächste Offerte ins Haus: ein „Smoothie-Kochbuch“.

 

Als liefe nicht alles bombig genug, wird sie von einer alten Sehnsucht heimgesucht. Sie erinnert sich an ein Buch, aus dem ihr in sehr jungen Jahren ein ehem. Verlobter vorgelesen hatte, ohne auch nur einen Absatz des schweren Wälzers (544 S.) zu überspringen. Wo immer sie waren, „Butterfly“ war auch dabei - ein Roman vor den Kulissen eines Stundenhotels für Frauen. „Das hatte mich angeturnt! Knapp 20 Jahre später war es dann soweit. Ich wollte auch ein Butterfly, nur ohne Hotel!“
Kurz machen wir Streifzüge durch erotische Literatur und verspeisen dabei die letzten Bananenpfannkuchen. So ein Thema - da braucht es sehr viel Nervennahrung!

 

Von sinnlicher (Lese)Kost zu sinnlichem Food und der nächsten (!) Gründung: Seit 2015 ist sie Food Coach mit eigenem Laden in der Rentzelstraße. Per UPS werden täglich ihre Frischkost-Pakete verschickt, ansonsten empfängt sie dort ihre Kunden ("Schüler") zum privaten Einzelunterricht.

 

Sie hält mir eine sehr ästhetisch gestaltete Visitenkarte aus Leinenkarton vor die Nase:
„Butterfly – gentlemansize your pleasures“.
Mir überschlagen sich die Pupillen, ich will ihn sehen, den Bestand ihrer Kavaliere! Rrrrr.... zwei von denen würde ich ja sofort buchen, doch …. hüstel.... habe ich natürlich keine Zeit für …. lüglüg …. so etwas.

 

Diese Frau steckt voller Überraschungen, Ideen und Tatendrang! Was wird als nächstes kommen, will ich wissen. „Ganz ehrlich? Ich wurde von klein auf dazu erzogen, immer alles selbst zu zahlen, unabhängig zu sein und mich nicht einladen zu lassen. Bis heute habe ich das rigoros auch durchgezogen - ich wäre jetzt soweit, es anders zu machen und übe zur Zeit im Kleinen wie z.B. einer Tasse Kaffee.“

So weit die persönlichen Ziele – und was das Butterfly angehe, da sieht sie so viel Potential, dass sie ganz Deutschland erobern will. Zwar nicht ganz einfach, wenn es um Escorte geht, ihre Dienstleistung über Google zu bewerben, doch eine wie sie findet zweifelsfrei immer einen Weg und schüttelt irgendeine starke Lösung aus dem Ärmel. 7 Kavaliere sitzen bis jetzt fest im Butterfly-Sattel. Das Niedliche: „Chemie ist alles! Und deshalb können meine Kundinnen auch vorher eine Schnupperstunde buchen.“
 
Sie plaudert noch etwas von den Motiven der Frauen, spricht von Feedbacks, Kriterien und mehr. Ihre Erwartungshaltung ist hoch, und die Ansprüche wachsen mit den Kundenwünschen. Ein "Kavalier" wird bei ihr nur, wer Stil, Etikette, Bildung und Empathie mitbringt – neben der sexy Hülle natürlich. Qualitäten unter der Gürtellinie könne sie nicht testen, doch käme es vermehrt zu Beschwerden, würde sie sich etwas überlegen müssen....

 

Ach, ich freue mich, wenn ich die Powerbiene, die wirklich nicht lang fackelt, weil sie lieber umsetzt und schnell dem Ruf ihres Herzens folgt, noch eine lange Weile beobachten kann!
P.S. Wie passend, dass sie mir 2 Bücher mit Widmung schenkt, wo heute mein 1. Nichtrauchertag ist. Ich brauche ganz viel Kompensation, verdammt viel love-food für mein Gehirn, das sicherlich schon bald auf Turkey kommt.
Wie war das? Bananen und Eier.. Sorbet aus einer Kuchenform - herrlich! Hab ganz viel mitgenommen. Jetzt wird erst mal eingekauft!

 


LINK FOOD-COACH: http://www.nicole-staabs.de