Ein Stück Bildung und 'ne große Portion Wärme aufs Brot geschmiert....

Früher war sie Journalistin. Ihr täglich Brot war viele Jahre die Auslandsberichterstattung. Susann Grünwald – schon knapp 10 Jahre Gründerin und Vorsitzende der Stiftung "Mittagskinder". Wortgewandt, eloquent, klar und souverän. ich lasse reden und bin ganz Ohren.

 

Zwei Hamburger Brennpunkte versorgt ihr Team aus sozialpädagogischen Fachkräften in eigenen Betreuungseinrichtungen: Kirchdorf-Süd und Neuwiedenthal. Warme Mahlzeit / Abendbrot / Frühstücksbox werden in den Treffs geboten - neben Bildungsimpulsen sowie dem Wecken und Fördern von Neugierde – Stopp! Ganz oben stehen natürlich sehr viel Mensch- und Herzenswärme, ein liebevoller Umgang, der viele unvergessliche und wichtige Signale setzt und selbst hungrigen Kindern mehr bedeutet als die fette Schnitte.

 

An fünf Tagen pro Woche kommen die Mittagskinder zusammen, nehmen an Bildungsprojekten und -aktionen teil, schließen hier Freundschaften - und alles gibt's zum Nulltarif! Es läuft ab, wie es in Familien auch ablaufen sollte, es jedoch weder selbstverständlich noch immer gegeben ist. Hier tut so Vieles all den kleinen Seelen gut: gemeinschaftlich denken, teamorientiert handeln und lernen, sich mit Gefühlen, Empfindungen und sich selbst auseinanderzusetzen - und verstehen, was "alle für einen oder einer für alle" bedeutet. Allem voraus bieten Strukturen, Regeln und klare Abmachungen enorme Sicherheit.

 

Dass Susann Grünwalds Idee einmal so wachsen könnte, so viele Menschen (und Prominente) ihre Unterstützung einbringen würden, damit habe sie nicht gerechnet. Sie selbst sei mehrmals die Woche vor Ort, aber das intensive Arbeiten mit den Kindern überlasse sie - selbst Mutter eines Sohnes - lieber den fachkompetenten Betreuungskräften. Während des Gesprächs kochen wir uns mächtig heiß, als wir die Arbeit von Jugendämtern ansprechen, über Gefahren, die rechtzeitig hätten erkannt werden, und Tragödien, die hätten verhindert oder noch abgewendet werden können.

 

Viele der Kinder, die nach der Schule in den Kindertreffs ihr 2. Zuhause gefunden haben, kämen aus zugewanderten Familien. Manchmal gebe es dort Familienstrukturen, die belastbarer seien als in deutschen Familien. Gerade für die besonders jungen Alleinerziehenden mit mehreren Kindern sei die Situation oft schwierig.

 

Ob Armut in der reichen Stadt Hamburg die Kinder nicht belaste, werde sie immer wieder gefragt. „Hier wird verkannt, dass viele Kinder aus ihrem Umfeld gar nicht herauskommen. Es fehlt der Vergleich, solange sie nicht wissen, wie anders das Leben in anderen Teilen der Stadt aussehen kann.“

 

„Ich habe so viel Gutes im Leben erfahren, ich will nun gern etwas zurück geben!“ Susann Grünwald setzt liebevolle Meilensteine, hinterlässt Spuren. Und diese zeigen sich nicht nur daran, dass einige ihrer Mittagskinder aufgrund der wertvollen Stiftungsarbeit bereits Gymnasialempfehlungen erhalten hätten.

 

Auf dem Weg nach Hause frage ich mich, wie viele Kinder eher nach Brot als nach Bildung greifen würden. Am Ende geht es darum, den Hunger in beider Richtung zu stillen, mit unserer Hilfe!

 

www.stiftung-mittagskinder.de

Stiftung "Mittagskinder": für einen guten bzw. besseren Start ins Leben!