7.6.26

 

Kennst du die Nehberg?“


DIE? Ich kannte DEN… von alten Veranstaltungspostern aus den 90ern, irgendwo an Litfaßsäulen “, sage ich zum Chef meines Copyshops, der mich mit einer Autorin aus unserem Kiez verkuppeln will.

Wochen später sitzt DIE mir gegenüber. Nachbarinnen seit Jahrzehnten???!! Wir hatten keine Ahnung! ;-))

Wir schmieren uns Brötchen in meiner Küche und plaudern beim dampfenden Teekesselchen drauf los. Keine Ahnung, wie Kirsten plötzlich auf "Hanni und Nanni" kommt. Ich freue mich. Und als sie mich fragt, ob ich Schauspielerin sei, freue ich mich noch mehr!

Kirsten Nehberg, geboren im Juli 1966, Schauspielerin und Tochter eines Mannes, der nicht in normale Schubladen passte: dem Abenteurer und Survival-Pionier Rüdiger Nehberg, in der Szene als „Sir Vival“ bekannt. Der, der Dinge machte, bei denen anderen schon vom Zuhören Tröpfchen ins Höschen schießen:
den Ozean auf einem Baumstamm, einem Tretboot und einem Floß über-queren. Auch Wüsten durch-queren und Grenzen verschieben - geographisch und im Kopf.

Kirsten lernte früh: Angst ist verhandelbar. In diese Weltanschauung wächst sie hinein!
Zunächst in Hamburg-Wandsbek. Früh ist sie sehr, sehr eigenständig, denn die Eltern haben eine Bäckerei und Papa Nehberg ist Konditormeister. ABER eben auch Abenteurer, seit er als Kind 'Karl May' verschlungen hat.

1966 kommt Kirsten zur Welt. Vor ihr liegt die beste Lebensschule, denn den Papa interessiert nur eines: dass der Sprößling früh und allein in der Welt klarkommen kann! Schulnoten? Nebensache! Zeugnisse? Wertlos! Die einzige Währung, die bei den Nehbergs zählt: Fantasie und Kreativität - Grundausstattung sozusagen!

Als die Bäckerei verkauft wird, freut sich der Vater, dass in Kirsten keine Bäckerin steckt, sondern die Liebe zum Schauspiel. Die Familie zieht nun gänzlich in ihre Mühle bei Trittau, wo das private Training- und Survivalcamp geschaffen wird. Ein Abenteuer-Paradies inklusive Teich, Gelände und „Dschungelzimmer“!

Kirstens Freundinnen finden das alles normal, sind doch selbst Kinder von Abenteurern (u.a. dem Gründer von GLOBETROTTER).
Ich muss echt schlucken, als ich höre, dass für ein paar Tage sogar Krokodile aufgenommen werden, bis schließlich der "Hagenbeck Tierpark" übernimmt.

Kirsten - ihr Leben erscheint mir herrlich ungewöhnlich, aufregend. und richtig schön außergewöhnlich. Papa Nehberg ist zwar über Monate im Jahr auf Expedition, doch wenn er da ist. Dann zu 100%!

Manchmal habe sie Angst im den Papa gehabt – erst recht, nachdem dessen Begleiter erschossen wurde. Aber dann sei doch ihr Vertrauen in die Unsterblichkeit zurückgekehrt.
Die schönsten Geschenke waren die unendlich vielen filmreifen Geschichten, die sie abends bis ins Detail erzählt bekam.

Auf Bitten hin hat sie nun ein Buch draus gemacht und widmet es ihrem Patenkind.
Eigene Kinder hat sie nicht.

Kirsten erinnert sich:
Als die Bild-Zeitung den Vater als "Wurm-Fresser" betitelt, erfährt sie Anfeindungen, wird bespuckt und als hochnäsig beschimpft.
Fremdschämen macht sich in mir breit!

Typisch: die Öffentlichkeit urteilt oft schneller, als dass sie versteht.
Ich mochte immer die Mädchen, deren Familienleben nicht in gewohnte Raster passten!

Kirstens Blick auf das Leben ist geprägt:
Unmöglich gibt es nicht.“
Und doch zählt immer der Weg, zählen am Ende die Geschichten, die wir schreiben.
"Shoot for the Moon. Even if you miss, you'll land among the Stars."
zitiert sie fröhlich vor sich hin.

Dann sprechen wir noch etwas über die Liebe, wir sind schließlich Frauen!
Der Liebe folgte sie mal bis nach Kaledonien, in die Südsee.
Bäm - nichts ist unmöglich!
Da ist so viel Bewegung. Von Stillstand keine Spur!

Ob sie sich je ein „normales“ Familienleben gewünscht hat?


Sie schüttelt den Kopf.
Nein! Was sie hatte, liebte sie. Für sie war genau das ihr 'Normal' -
eine Welt voller Möglichkeiten! Genau, sogar mit Giftschlangen im Handgepäck und Würgeschlangen in der Wohnung.

Außerdem sei sie immer ernst genommen worden. Ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte werden alle gesehen. Und auf Ihre Fragen gab es immer Antworten.

Ich hätte ihren Papa gern noch kennen gelernt, aber er verstarb während der Pandemie.
Und jetzt... lese ich Kirstens Buch. Und freue mich besonders auf den Part, wie sie von ihrem Vater lernt, sich Zutritt auf ausgebuchte Konzerte zu verschaffen. Und ein ganz besonderes Ereignis sei zugleich einer ihrer emotionalsten Augenblicke mit ihrem Vater gewesen!

Ob der immer ihr Held war, will ich noch wissen.

 

Nein! Das war die Gruppe ABBA!“

Danke! ♥️ Neue Lieblingsnachbarin. Das nächste Brötchen kommt bestimmt!