Ihr Name klingt wie das Prickeln, das sie ausstrahlt, wenn sie vor dir steht.

Tatort EAST HOTEL. Wie viele der Herren an der Bar mich gerade um meine schillernde Gesellschaft beneiden und still in sich hinein fantasieren...ein Hauch von Glamour zieht durch die Luft, denn wenn sie spricht, dann klingt es nach Brokat und Samt. Verraucht, verpönt und ohne Schonung. Frech und echt - bis auf den langen Wimpernaufschlag, hinter dem die Lider in Azur getunkt... Ihr persönlicher Untertitel „geilste Rampensau der Republik / Rockstar of Burleske / Glitter-Queen“, liefert den Spagat zur Lüsternheit auf sowohl höchstem als auch tiefstem Niveau.

 

Sie trinkt, sie raucht und hüllt sich in Verkleidungen, als seien die ihr auf die Haut gestickt. Haut – eine ehrliche Haut ist sie, muss sich nicht verstellen, zieht gnadenlos und unverblümt sowie nicht weniger rotzfrech die vielen Charaktere durch - ihre Performance ist maßgeschneidert. Und doch l(i)ebt sie das Un-Perfekte – den Cocktail aus Femme fatale & Trash. Sie spricht so frei, als seien wir seit Jahren schon vertraut. Wie hässlich sie als Kind und noch viel hässlicher als Teenager gewesen sei, mit Brille, Kurzhaarschnitt und Zahnkorsett. Irgendwann wurden jene „Wixer“, die sie zum Mobbing-Opfer machten, und gleichzeitig zu Treibern, eines Tages allen das Gegenteil zu präsentieren.   

 

In Bremen einen Tresen leitend, schubsten ihre Freunde sie irgendwann aus dieser Stadt heraus; hier, wo die Bühne für sie viel zu klein war. Angefixt durch Pin Up-Bilder, verspürte sie die Lust zur Burlesque, schlüpfte in Latexklamotten und mit Peitsche in der Hand in eine völlig neue Attraktivität. Vom Entlein zum Schwan schafft sie es spielend leicht auch ohne Arsch und Titten auf die Bühne, als wäre sie auf diesem Spielplatz schon geboren. Die Bühne klebt an ihr - und Eve an der Bühne! EVE CHAMPAGNE – the show must go on! Übersehen kann sie niemand, sie leuchtet stärker als die Scheinwerfer zu ihrer Plattform: das Rampenlicht. Die Bühne. Der Kiez. Ihr bester Trainer sei sie selbst gewesen; ihr Spiegelbild, ihr Gegenüber.

 

Die polnische Seemannstochter ist mit allen Wassern gewaschen, „geht nicht", kennt sie nicht. "Erst, wenn du beim Blümchen-Sex keine Gefühle mehr kriegst, weißt du, du hast vorher Grenzen überschritten. Seit 6 Jahren liebt sie den Kiez. Hier, wo Elend und Glückseligkeit Händchen halten müssen, wo Menschen ihr Lebenslos versaufen und ihren Stolz verkaufen. EVE – ausgestattet mit einem ungeheuren Repertoire und Potpourri von über 20 Charakterzügen, brilliert und funkelt sie als 50er-Jahre-PinUp genau so wie als trunkene Matrosin. Und keine Rolle ist ein Spiel, eher fester Bestandteil ihres polnischen Größenwahns. Eve hat ihren Preis – doch dafür bietet sie auch was und springt gern über Mauern, auf denen die meisten in Verklemmtheit kleben bleiben. Sie zeigt viel – doch niemals alles! Burleske ist das Spiel, die Kunst des Ausziehens, mitunter minimiert auf einen einzigen Handschuh. Eve macht Burleske salonfähig, reist – in ihrem Element - durch unterschiedliche Epochen, und ist doch in jeder Zuhause, eng mit ihr verwachsen.

 

Als reiche das nicht schon für volle Terminkalender, hat sie den Kiez um eine weitere Attraktion groß gemacht – und mit dieser die Touris (im Geiste) weiter. Auf ihren Touren serviert sie reihenweise Häppchen, vorzugsweise zum Thema Sex-Appeal und lässt die Kunden Sex-Spielzeuge erraten. Wenn es sein muss, hebt sie auch schon mal ihr Röckchen an und lüftet das Geheimnis, das um ihr Geschlecht kursiert. - Sie kann es auf englisch: No problem, und auf polnisch: Nie ma sprawy!

Eve ist Kunst - Eve ist Kult. Wer sie bucht (Astra, Pernod, Unilever), bucht ein Chamäleon mit 1000 Gesichtern. Und wo Eve eben noch Eleganz und Nüchternheit verkörperte, könnte sie im nächsten Augenblick schon kotzend im Mieder über den Asphalt gebeugt neben Bordsteinschwalben liegen. Sie gehört zum Familienclan von Olivia Jones und ist heiß. Heiß begehrt.

 

Sie liebt Extreme, warum sie den Umgang mit Nutten, Transen und Künstlern gleichermaßen pflegt und eher männliche Freunde hat, denn Frauen zicken ihr zu viel. Und sie nimmt nie ein Blättchen vor die Lippen, bricht das, was andere Tabus nennen und lässt ihre Interviewpartner auch nicht bei Fragen nach ihrer Entjungferung im Stich („ich war 19“).

Katholikin, gelernte Hotelfachfrau (EAST) – solide Grundstöcke für eine, die eigentlich nur Bauch ist und im Jetzt lebt. Die daran glaubt, Luzifers Hölle zu entkommen, weil sie Gutes tut. Und sie tut viel – und spricht, bis die Stimmbänder (ohnehin nie) anschwellen. Und sie lästert einfach nicht, urteilt nie und wertet keinesfalls, denn sie glaubt doch an Karma, und daran, dass Scheiße, die einem passiert, in dem Moment sicherlich gut zu sein scheint. EVE – eine fast normale Frau, wenn man sie nur nicht für den Keith Richards vom Kiez halten würde – einfach nicht tot zu kriegen! In wenigen Monaten steuert sie die 30 an.

 

Sie liebt ihren Freund, den Polizisten, aber zelebriert die offene Beziehung. „Mein Geist und mein Fleisch gehören nur mir. Nur emotional bin ich treu!“ EVE wird weiter machen so lange es geht. Die Bühne bedeutet ihr alles – so viel wie ein „unmoralisches Angebot“, auf das sie bis heute vergeblich wartet, denn Männer nähern sich burlesken Frauen nur auf dezenten Sohlen, „zu viel Überfrau“; Frauen seien da ganz anders, besonders nach tiefen Blicken in ihr Glas! Und Las Vegas? Sei sie schon gewesen, viel zu langweilig und vorhersehbar. Sie will den Kiez, und nur den Kiez, denn der spiegelt alle Seiten des Lebens wieder! Und sie träumt von viel mehr Cabaret und Burlesque, was seinen Preis wieder wert sein muss!

 

Bis dahin bleibt sie stets auf Augenhöhe mit den Menschen, verliert nie an Bodenhaftung und verteilt Nahrungsmittel an polnische Obdachlose. Und sie nimmt weiterhin Touris die Angst vorm Kiez („Nirgends ist es sicherer als hier!“) und wird Frauen beweisen, dass jede von ihnen schön ist!

Darauf trinke ich, ein Gläschen (Eve) Champagne! Schade, dass es eigentlich nur  HUGOs waren, aber ich fühle mich, als hätte ich ne Stunde in Glitzer gebadet.

 

Zaje-fucking-bista!

 

http://www.olivia-jones.de/wordpress/eve-champagne-queen-of-burlesque/