Borchers, Montag, 18h. Mir gegenüber sitzt Ann-Marlene Henning. Ihre Haltung ist aufrecht, ihre Sprache ist es auch. Offen und unverblümt. Es fällt leicht, dieser so berühmten Sexologin Fragen zu stellen zu Orgasmusproblemen, Penislängen und Paarproblemen. Sie spuckt aus, was für die Mehrheit der Menschheit auch anno 2014 noch Fremdworte sind, die nur im Kopf existieren, in dem selbst das Gehirn errötet.

Ann-Marlene will mit einer Vehemenz Aufklärung schaffen, und ihre Präsenz ist ein aufsteigender Ast, der ihr dabei zugute kommt. Man kann sie buchen (Praxis), sehen (MDR / SWR), hören (Video-Blog), lesen (Bücher) oder einfach nur anhimmeln.

Diese Sorte Frau brauchen nicht nur Paare als Therapeutin, ganze Klassen bräuchten sie als Aufklärerin. Kaum ausgesprochen, schiebt mir Ann-Marlene die erste Anekdote übern Tisch: Eine Lehrerin hatte für ihre Schüler ihr best-seller Erstlingswerk „MAKE LOVE“ bestellt, musste aber kurz darauf wieder stornieren, weil viele Eltern der Ansicht waren.....Porno...und überhaupt...Wahnsinn!

Wenn nur etwa 10% aller Frauen einen Orgasmus (beim Sex mit ihrem Partner) bekommen würden, dann hätte Scham die Aufklärung erstickt! „Jede Frau kann zum Höhepunkt kommen. Frigide Frauen gibt es nicht, das ist ein böser und erfundener Begriff von Sigmund Freud. Wenn Frauen nichts empfinden, sind sie tot!“ Das ist doch mal eine Aussage nach meinem Gusto und ich denke sofort an Gespräche mit meinen Freundinnen, wenn wir zu tief ins Glas geguckt. Sex....Sex.....Männer.....Sex.....Schwänze...Höhepunkte, Stellungen.
 
Die Sender reißen sich um Ann-Marlene. Sie hat auf jeder großen TV-Couch gesessen, hat Zuschauer in ihren Bann bezogen. Weitere Anfragen lehne ihre Assistentin zur Zeit allerdings ab, denn Ann-Marlene sehnt sich verstärkt zurück nach ihrer Praxis-Arbeit mit den Klienten.

Eine Berühmtheit zum Anfassen, die nicht abhebt. Doch weil die Flut von Anfragen stetig steigt, braucht man einen langen Atem von derzeit einem Jahr. Zum Glück weiß sie genau, an wen sie weiter vermitteln kann.

Ich liebe ihren dänischen Akzent, der auch nach 30 Jahren Leben in Deutschland zum besonderen Markenzeichen  wurde. Eine starke und selbstbewusste Frau, die ihre Wirkung kennt, obwohl sie auch was wirklich "Niedliches" hat (Anm. sie ist so groß wie ich). Geboren 1964, fand ihre eigene Aufklärung durch das Beobachten ihrer sehr jungen Eltern statt, deren Umgang mit Liebkosungen vor ihr und ihrem Bruder sehr offen und großzügig war.

 

Überhaupt seien die Skandinavier alles andere als prüde und verklemmt. Ich denke an die Trockenheit der spröden Deutschen und bedanke mich, dass Ann-Marlene den Zugang durch die Medien in deutsche Schlafzimmer findet. Wenn Attraktivität auch noch geballtes Wissen unterstreicht, kann man nur erfolgreich sein!

Sie, ein ehem. Model, hätte es ohne profundes Fachwissen vielleicht nicht gleich auf jedes Titelblatt geschafft. Die geschiedene Frau, frisch verliebte Muse, Mutter eines Sohnes (21), Autorin, Schauspielerin, studierte Juristin und Sängerin unterstreicht nur das, was sie gerade so begehrt macht: ihr großartiges Engagement als Aufklärerin sowie ihr Know How als Neuropsychologin und ausgebildeter Sexologin.

 

Hat es Männern Angst gemacht, sie kennen zu lernen, weil sie deren Geschlecht & Gehirn studiert hat, bevor sie ihnen überhaupt näher kommen konnte? „Ja, manchmal bekam ich noch nicht einmal die Chance, jemand genauer kennen zu lernen. Knapp 2 Jahre war ich Single, und meiner jetzigen Liebe musste ich ein bisschen in den Hintern treten.“ Ann-Marlene geht in die Tiefe und ich spüre die Leidenschaft, die sie verströmt, denn das ist ganz ihr Element! Und dieses Element geht jeden etwas an, der Sex nicht gleich mit Sex verwechselt. Wir lachen über unsere fast synchron laufenden Handbewegungen fürs Ficken, bevor es emotionaler wird.

 

Unter ihren weiblichen Klienten ist viel Scham, wenn es um unerreichte Höhepunkt ginge. Und die Männer schämen sich nicht minder, weil sie es ihrer Partnerin nicht „besorgen“ können bzw. ihr eigenes „Stehvermögen“ alles andere als befriedigend finden. Ann-Marlene begleitet die Paare meist mindestens 5 Sitzungen lang, einige kommen darüber hinaus und gewinnen immer größere Freude, sich mit der Faszination Körper und (eigener) Lust zu beschäftigen und sich ganz spielerisch mit ihr auseinander zu setzen - natürlich unter liebevoller Anleitung unserer Sexologin! Als wir uns trennen, muss ich daran denken, wie viele Freundinnen ich habe, die ebenfalls beim Sex gerade mal nur die „Spitze des Eisbergs“ erklommen haben.

Was in der Tiefe liegt, das kennen viele sie nur aus Büchern und Erzählungen. Viele nutzen ihr volles erotisches Potential nicht aus. Anne-Marlene schenkt mir abschließend ihr neues Buch „MAKE MORE LOVE“, signiert es und ich weiß genau, wem ich das Buch als erste lesen lasse. Doch am Ende wird es so wie so die große Runde machen...

 

 

 

Mange tak, liebe Ann-Marlene,

doch-noch.de