3.7.18

 

Momo Fuchs hat mal zu mir gesagt: „Und DIE musst du als nächstes treffen, weil sie und du .... und überhaupt.....!"

 

„Conni, ich freue mich auf dich! Ich habe einen Tisch am hinteren Fenster reserviert!“

Wie süß, das fängt ja super an. Bereits 3 Tage vor der Begegnung mit GRETA SILVER steht meine Kleiderauswahl fest: silberfarbendes Kleidchen. - Ich bin gerade aus der Wohnungstür, da komme ich mir albern vor. Silberkleid, hahaha..... 4 Minuten später laufe ich hektisch in neuer Garderobe zum Auto. Mit GOLD-Bolerojäckchen.

 

Während die Gäste in dem süßen neuen Café in Wellingsbüttel vor ihren Törtchen fröhliche Gesichter ziehen, überdenke auch ich an der Theke ein mögliches Kalorienbömbchen.

Dann sehe ich sie schon, weil eine wie sie den Raum mit schöner Energie füllt, man sie gar nicht übersehen kann!

Ganz nonchalant beginnt unsere Begegnung. Greta ordert Müsli, ich 1 Croissant.

„Conni! Ich habe so viele Fragen – wahrscheinlich mehr an dich als du an mich!“ Ich überlege, ob sie mit mir wetten will, doch würde sie haushoch verlieren!

Ihre rote Brille erinnert mich an Ilona Christen. Leider kommt mir auch Hans Meiser in den Sinn und mein Auftritt in seiner Sendung – kurz ist mir übel. CUT!

 

Geboren am Valentinstag des Jahres 1948 unter dem Namen … wird leider nicht verraten. Die pure Idylle mit Bauernhof, mit Lebenswerten und Freiheiten Ihre Mutter ist bereits verwitwet mit 2 Töchtern, als sie Gretas Vater auf dem Hof begegnet.

Die Familie zieht vom Land ins Dorf, Greta ist 10. Sie erinnert sich noch, dass es dort ein Kino gab, neben der Handpumpen, mit denen man Milch in Kannen füllte.

Dann der Schicksalsschlag: Greta ist 19, als ihr geliebter Vati an einem Herzinfarkt verstirbt, und sie nun ganz allein mit ihrer Mutti ist, der zweifachen Witwe. Die Halbschwestern leben mittlerweile im Ausland.

Der Schmerz schafft tiefe Wunden, Traurigkeit und Vermissen sind zwei ständige Begleiter, die sich in Herzen bohren. Der Vater, der Greta stets bedingungslos vertraute (sie auch sein Auto für kurze Strecken im Wald fahren ließ, obwohl sie vorher niemals hinterm Steuer saß). „Derart blindes Vertrauen hat mich geprägt! Das brachte ich auch meinen Kindern später entgegen!“

Mit Abitur in der Tasche verschlägt es Greta nach Hannover, wo sie Anstellung in einer Werbeagentur findet. Als sich ihre Mutter bald täglich bei ihr meldet, weil sie ohne Mann nicht klar kommt, packt Greta wieder ihre Sachen und kehrt heim. Sie habe sich für die Mutti verantwortlich gefühlt.

„Ich hatte wirklich Blei geschultert!“ erklärt sie die Situation, die Schwere, die auf ihr lastete. Eine ihrer Schwestern erkennt das irgendwann und motiviert sie, endlich weg zu geben, um endlich ihr eigenes Leben zu leben!

 

Mit 20 ist sie ein Au Pair-Mädchen in England und wird sich hier zum ersten mal verlieben. Aus Liebe zu ihr will dieser Mann, auch Arzt, sie überreden, sich endlich ihren Schattenthemen und dem Schmerz zu stellen, hervorgerufen durch den frühen Tod des Vaters, der nie verarbeitet wurde. Er schafft es nicht, sie war noch nicht so weit.

Nach ihrer Rückkehr trifft sie einen Mann aus Kindertagen, über den sie als kleines Mädchen mal sagte: „Wenn ich groß bin, heirate ich einen Typen wie DEN!“ Er ist Hamburger und zieht alle Register, um Greta für sich zu gewinnen, die es aber alles andere als eilig hat. Und fokussiert sie sich zunächst auf Arbeit und bewirbt sich als Sekretärin. Jobs gab es wie Sand am Meer, und die Reisekosten trugen immer die Firmen. Sie genießt es, eine Reisende zu sein. - Als sie schließlich in Frankfurt ihre Zelte aufschlägt, führt sie fortan eine Fernbeziehung mit ihrem charmanten Kaufmann („A rose a day keeps the doctor away!“). Geduld und langer Atem sind ihm auferlegt, als Greta auch noch kurzerhand Schluss mit ihm macht.

Doch einer wie er gibt nicht schnell auf, und endlich sagt sie JA zu ihm. Sie heiratet mit 24 und setzt 3 Jahre später auch die Pille ab. Doch eine schnelle Schwangerschaft ist ihr missgönnt, und dabei hatte sie doch diesen Traum von insgesamt 6 Kindern! Jahre verstreichen, und als die Entscheidung fällt, Kinder zu adoptieren, wird sie im selben Monat schwanger! Sie ist um 1 Sohn und eine wichtige Erkenntnis, ein Aha-Erlebnis, reicher:

 

DEINE GEDANKEN STEUERN DEINEN KÖRPER!

 

Erst zuvor hatte sie endlich begriffen, dass der Tod des Vaters etwas „Positives“ für sie hatte – nämlich erwachsen zu werden!

Immer deutlicher werden die Themen, mit denen sie sich beschäftigen will:

wie viel man für sein Lebensglück braucht, und was man Kindern auflädt, wenn man sie als Zuständige für das eigene Glück sieht!

Greta betrachtete psychologische Zusammenhänge in Hinsicht auf das eigene Lebensglück mit anderen Augen und aus einem endlichen anderen Blickwinkel: Dein Körper hört JEDES Wort!

Dann spricht sie von „Geheimverträgen“, die man mit Menschen ohne deren Wissen schließt. Spricht vom Erkennen, von der Gewissheit, dass nur wir selbst für unser Lebensglück Verantwortung tragen!

„Unabhängig von äußeren Umständen zu sein, das war wie 'ne Explosion in meinem Kopf!“

 

17 Jahre das Leben einer Hausfrau, Ehefrau und Mutter geführt, bis ihr tatsächlich die Decke auf den Kopf gefallen war. Sie wollte erfinderisch werden, entdeckte ihre Kreativität, und zauberte – ihren Kindern zuliebe – aus Kleinigkeiten kleine Events!

„Es scheint so leicht und fließt, wenn du nur endlich mal die Perspektive wechselst!“ Ich sehe sie strahlen, ihre Worte wirken motivierend und voller Elan!

 

Halbzeit! Ich frage Greta, ob sie meine Zigarette stören würde. Sie lacht nur.

 

„Habe auch mal geraucht, doch nur aus Angeberei!“

Oh! Kurz zögere ich noch, dann brennt die Glut. Ich wünschte, auch ich wäre nur eine kleine Angeberin, dann fiele mir das Aufhören sicherlich viel leichter. !

Gretas nächste Wende war einem Zufall zu verdanken - als sie im Alter von 48 Jahren von einem Unternehmer für eine Wohngestaltung beauftragt wird wird. Nach erfolgreicher Umsetzung wartet tatsächlich der Durchbruch auf sie: die Gestaltung einer Hausboot-Flotte samt Vermarktung!

 

Sie habe das Schreiben schon immer geliebt, nun wurde sie freie Journalistin und konnte ihre Text sehr geschickt platzieren – und innerhalb 1 Jahres waren alle Hausboote belegt! Nun geht es weiter, höher und schneller hinaus – mit der Einrichtung von 60 Ferienhäusern! Zum ersten Mal spürt sie den Auftrag als echte Herausforderung, doch sagt: „Grenzen gibt es nur im Kopf! Was wirklich machbar ist, das mache ich dann auch!“ Als sie schließlich noch ein 4****-Hotel einrichten soll, wird Schlaf zur schönsten Nebensache der Welt. 4 Jahre lang 4 Stunden pro Nacht.

Ich frage sie nach ihrem Erfolgsrezept, und wie man die Sonnenseite des Lebens finden kann. „Man muss sich einfach etwas zutrauen!“ lächelt sie.

 

Silver & Köpp – wir kichern vor uns hin, wir beide, die doch nie etwas gelernt haben, aber trotzdem erfolgreich sind.

Derweil bläst Zuhause ihre Ehe Trübsal, denn nach einer Entlassungswelle findet ihr erfolgsverwöhnter Mann plötzlich keine Neuanstellung mehr. Wieder lastet Druck auf Gretas Schultern, die fortan allein das Geld nach Hause bringt. Und was passiert mit einem Mann im Ausnahmezustand? Er zieht sich zurück!

 

„Aber Liebe stellt keine Forderungen, und sie bedeutet, jemand so sein zu lassen wie er sein will.“ Als sie nicht mehr zueinander finden, verlässt Greta ihren Mann - nach 37 Ehejahren, doch in aller Freundschaft, und erst, nachdem das letzte Kind das Haus verlassen hatte.

 

Ich will jetzt wissen, ob sie an den „2. Frühling“ glaubt.....

„Ich habe lieber keine Ziele, sie ermöglichen mir nicht den Blick nach rechts und links. Lieber bin ich offen für Überraschungen. Aber....wirst DU angesprochen, Conni?

„Nein. Nur angeguckt. Leider!“

„Siehst du! Bei mir das gleiche! Man(n) hat mir sogar schon gesagt, man hätte Angst vor mir! Doch zum Glück interessieren mich die Ängstlichen nicht. Und dabei sind wir doch nicht nur starken Frauen, ganz im Gegenteil.....also, wenn schon ein 2. Frühling, dann mit keinem, der zum Rasenmähen kommt! Der wäre mehr on top das Sahnehäubchen – denn glücklich bin ich ja auch ohne ihn!“

 

Sie trage ein wahres „Glückspaket“ in sich. - Ich spürte das, man sieht es ihr ja förmlich an! Und ob mit 30, 50 oder 70 – sie hat am Ende wohl alles richtig gemacht, den richtigen Riecher und das Herz am rechten Fleck gehabt. - Greta – die Autorin, das Model, die Youtuberin und Adrenalin-Gespritzte!

Nach ihrem Besuch in einer Talkshow, wo sie ihre Buchidee (Youtube-Themen inkl. Biografie) vorstellte, hagelte es mehrfach Angebote von Verlagen! Sie unterzeichnete jenes, das unmöglich abzulehnen war, schreibt sich knapp 2 Monate lang die Finger wund und schafft es dank der Pressefrau auf die Spiegelbestsellerliste! Anm.: ihr Exmann habe das Buch vor Abgabe gegenlesen sollen. So begeistert er war, so überrascht war seine Reaktion: „....klar hab' ich alles verstanden, ist ja auch logisch - doch wieso hast du mir niiiie etwas gesagt!?“ hahaha.....

 

Diese Frau kann doch nicht 70 sein! Verdammte Zahl....

Und Greta in 20 Jahren?

„Ich sage dir: Es wird immer toller und immer besser!“ sprudelt es aus ihr heraus. Sie hat vor keinem Alter Angst, im Gegenteil. Im Gegenteil? Ich zähle sofort ein paar Leiden auf, die ich mit Spannung schon erwarten würde!

„Stopp! Nicht vergessen: Dein Körper hört deine Gedanken! Und das Gehirn wird alles versuchen, dir zu erfüllen, was du denkst, weiß heute die Hirnforschung. Glück ist eine Entscheidung! Ist Verantwortung! - Ich habe mir alles selbst (!) erarbeitet!“

 

Zum Abschluss sprechen wir noch über Jammernde und Pessimisten. Natürlich fällt ihr hierzu etwas ein:

„Jammern macht süchtig, aber vor allem auch traurig! Doch hörten die Jammernden auf zu jammern, fehlte ihnen Zuwendung, deren wohl größte Befürchtung.“ Ich verstehe sofort und habe gleich den Nachbarn, die Kassiererin und eine Lehrerin im Kopf.

 

Auf was sie gerade sehr stolz sei, will ich noch wissen.

„Eins meiner Youtube-Videos, „schlechtes Gewissen“, wurde doch glatt in einem Schulbuch erwähnt. Ich komme mir vor, als sei ich im Duden erschienen!“

 

Vorbei. Ich hatte mir extra einen Wecker für sie gestellt, wusste ich doch, dass sie rechtzeitig zum Zumba muss.

Ich habe, was ich wollte, auch wenn es am Ende nicht genug sein wird. Während sie den letzten Löffel mit Müsli befüllt und ich mein Wässerchen leere, erzählt sie mir noch kurz 'ne kleine Anekdote über Angst.

„Mithilfe von Einbrechern verlor ich die!“ Ich reiße meine Augen auf und berühre mitleidig ihren Arm.

„Und dabei war auf dem Balkon doch nur ein Brett gekippt! In meinem Kopf aber blickte ich dem Tod bereits ins Auge! Stell dir das mal vor: du machst dich dein Leben lang verrückt, doch niemand kommt!? Das wäre erst die wahre Katastrophe! - Fortan hatte ich nie wieder vor Einbrechern Angst!“

 

Greta Silver. Reden ist Silver, Schweigen ist.... ach, nun ist gut. Mein Kopf ist voll. Hört mein Körper meine schönen und dankbaren Gedanken? Noch auf der Heimfahrt sehe ich Greta, wie sie ihre Arme während des Gesprächs ein paar Mal gen Himmel reißt und ruft: „Ich bin so dankbar! Danke! Danke! Danke! Ich fühle mich gerade wie ein Startup-Unternehmen!“

Ich reiße meine Arme in die Luft. DANKE! DANKE! DANKE! Wieder eine Frau, die Spuren hinterlassen hat. Was wäre diese Welt nur ohne sie.... ohne jene, die sagen, was ist. Was möglich wäre, wenn.... du einfach nur zufrieden wärst!