Samstag, 3.4.16. Zum ersten Mal in diesem Jahr brennt mir die Sonne auf den Pelz. Die Kinder sind verteilt, und Mutti hat ein Date - mit einem (männlichen?) Boot. Nicht irgendeinem, sondern DEM - eine Schande, dass ich erst durch Zufall von seiner Existenz erfuhr.


Ich laufe am Steg entlang und werde schon von einer gut

gelaunten Chefin (Caro) heran gewunken. Sie und ihr Freund Frank haben die Attraktion nach Hamburg geholt. Sie, ursprünglich aus der Versicherungsbranche, und Er, ehemals Immobiliensektor. Doch Leidenschaft muss anders sein, dachte jeder für sich und kamen zusammen auf einen Nenner: die Kombi von Wasser & Adrenalin. Über gemeinsame Rennen und Gespräche mit Jochen Schweitzer zündet die Idee – jetzt müsste nur noch Hamburg grünes Licht anknipsen. Tut es aber nicht, zumindest nicht sofort – denn diese Stadt bleibt (Un)Tugenden wie Reserviertheit und Verschlossenheit gegenüber Neuem stets zu lange treu …. Doch wer brennt, gibt nicht auf – und erst recht hält man den nicht auf! Nach dem 3. Anlauf bekommen sie ihre Chance und zusätzlich ne Menge Auflagen - ein Katzenspiel für beide!

 

Den Bootsführerschein haben sie bereits, so kaufen sie 5 schwarze Schlauchboote und bieten Touren an, die nichts für Schisser sind. Und eigentlich auch nichts für mich. Mit mir an Bord: 5 Freunde, die den Junggesellenabschied feierten, 1 bleibt an Land, er meint es scheinbar gut mit uns. Noch während ich einsteige, sehe ich mich plötzlich würgen und kotzen und schreien: „Mageninhalt über Bord!“. Doch nichts dergleichen geschieht; du bist so wach, du schunkelst eben nicht so vor dich hin wie bei nem' Kaffeeklatsch zu See, um jede tanzende Woge unter deinem Arsch zu vernehmen, bevor du deine Spucktüte öffnest. 
Als einzige Frau an Bord bekomme ich den Ehrenplatz – Schulter an Schulter mit dem Steuermann, und Frank parkt mich zur anderen Seite zu. Während wir mächtig Wind erzeugen, der unserem Gesichtsteint herrliche Frische verleiht, muss sich der Chef ein paar Fragen von mir stellen. Nachts sei es am schönsten, aber auch am gefährlichsten, weil man in der Dunkelheit nicht jeder treibenden Palette ausweichen kann.
Jetzt sind wir aus dem Hafenbecken raus und auf Kommando gibt der Steuermann so richtig Gas! Die schnellste Hafentour in Spielfilmlänge! Knapp 50 Knoten (95kmh) kann ich lesen. Fast wäre dieser Trip wie Urlaub auf dem Mittelmeer, wenn nicht die dicken Klamotten den Bikini ersetzen müssten. Manchmal habe man schon Leute aus dem Wasser gefischt und ….. ja, Lebensretter gespielt. Nur drei Minuten später entdecken wir ein treibendes Bötchen, der Kapitän schüttet gerade Benzin in den Tank. Zum Glück braucht er uns nicht und so highspeeden wir weiter. In Windeseile hängen wir die Grenze nach Niedersachsen ab, vor uns liegt Wedel, links das Alte Land, geradeaus beginnt gleich Schleswig Holstein.

 
Weil ich meine Kamera nicht umgebunden habe, muss der Chef auf meine Anweisung ein paar Schnappschüsse machen – welch Panoramen! Welch Kick! Kurz drosseln wir das Tempo, als der größte Schlepper auf uns zusteuert. Hinterm Steuer der Freund vom Chef, ein kurzes Tete a Tete unter Männern folgt, eine Szene aus David & Goliath gleich, dann peitscht das Boot weiter und gibt mit wilden Pirouetten an. Hinter dem Hafenbecken wirkt die Elbe ungewöhnlich ruhig, ganz anders als im Hafenbecken, wo ständig Hochbetrieb herrscht. Frank spricht mir von hochkarätigen Feiern, besonderen Firmenevents, von früheren Reisen um die Welt, seinen Rennen und von Junggesellenabschieden auf seinen Booten. Nach 75 Minuten legen wir (leider) wieder Leine. Mein Haar hat ungefähr so viele Knoten wie das Tacho vorher angezeigt.... aber geil ist das allemal gewesen! Ob ich noch mal im Sommer wieder komme? Klar, doch dann gern im Bikini, mit Musik im Ohr und meiner Kamera vorm Bauch, denn im Sommer gibt’s an Land ein BBQ bei chillout-Atmo.

 

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