Hier fließt Blut. Viel Blut. Herzblut. Menschenblut. Mal mehr, mal weniger, aber zum Wohle der Kunst. Kunst auf allen Körperstellen, die sich zeigen oder lieber verstecken. 

Nur einer muss genau hinschauen – und darf sich für immer verewigen. Verwandelt jede noch so blasse, vernarbte, verpockte Haut in Kunstwerke. Seit 20 Jahren!

 

BERND MUSS (40), Harburgs Urgestein, wie er sich selbst betitelt. Tattoowierungen: eine Haltung - ein Lebensgefühl! Weil die Bildsprache keine Worte braucht. Aber sie braucht einen, der es schafft, sie aufs Papier zu bringen und später auf Häute. Heute liefere auch ich mich ihm kurz aus und werde seine Nadel spüren. Meine Sterne soll er retten und lässt sie wirklich wieder auferstehen. Das Ergebnis: Welten!

 

Kunst ist das natürlich nicht für ihn – er, der schon als kleiner Stepke zeichnete. Immer wieder, immer mehr – bis er Sprayer wird.

Mit der Gang zieht er los, selbst die Elbbrücken sind vor seiner Dose nicht sicher. Die ersten Strafen zahlen noch die Eltern, die Höchstsumme, die folgt, wird später per Verfahren eingestellt. MUSS muss weiter ziehen, springt von der illegalen auf die legale Seite, bemalt und besprüht nun Wände und Mauern nur noch im Auftrag, und vor allem gegen Bares.

 

Schullaufbahn? Geschafft, doch eine Lehre hat er abgebrochen. Kunsthochschule folgte, aber sein eigener Stil war nicht gefragt! Und heute ist es genau jener, der für seinen Ruf sorgt und auch dafür, dass er über Monate keinen Termin mehr vergeben kann. Von überall kommen sie her – in die Eißendorfer Straße (Hamburg-Harburg), ins „Freestyle“-Studio. Seine Visionen? XXL! Mit seiner kleinen Tochter (4) hat er Pläne. (https://www.facebook.com/avaundbernd). Avas kindliche Striche vollendet er zu Gesamtkunstwerken.

 

Und eines Tages werden große Welten entstehen, Welten für Kinderzimmer und Welten, die man sich selbst gestaltet, mit 3D-Plastiken und mehr. Textiler will er werden, aber bis dahin wird er unter die Haut gehen, um die Visionen auch zu finanzieren. Die Flucht in sein Studio - sie reißt nicht ab, im Gegenteil. Frauen, Männer, Jugendliche, Paare – sie alle strecken ihm Beine, Gesichter und Venushügel entgegen. - Er wird zeichnen, bis er tot umfällt, Rentner gibt es nicht in dem Metier.

 

Wer auf seinen Stühlen sitzt? „Im Nachhinein erfährst du manchmal, dass es Selbstmörder, Mörder, Vergewaltiger waren. Ich habe in den 20 Jahren so viel mitbekommen, dass ich ein Buch mit Charakterportraits füllen will!“ Schocken könne ihn kaum etwas, höchstens Anfragen, die per Fotomail reinkommen, und ihn ungefragt zwingen, tief ins Innere eines MannesHintern zu blicken, dass er würgen könnte. Da steigt er aus, zu weit von seiner Kunst entfernt. Kunst. Kunst! Ich blättere mich durch seine Arbeiten und bin auf einmal schwer verliebt. In derart göttliche Federführungen!

Wir spinnen rum, haben eine gemeinsame Ausstellung im Kopf.... ich frage mich: Ein MUSS – ein WORT?

 

Auf alle Fälle eine Ehre für mich!

tattoofreestyle.de