Schwebend schwimmen in der Kaifu-Sole

Einen ganzen Nachmittag schwerelos in salzhaltigem Wasser floaten. Ich freue mich und hoffe, dass selbst MEIN Gewicht schön oben treibt. Ich werde auffallend freundlich empfangen und kurz herum geführt (in blauen Plastikgoschen). Und sollte ich Fragen haben...


Es geht vorbei an restaurierten historischen Gemäuern (mit 120 Jahren ältestes Schwimmbad Deutschlands!) und charakteristischen Rundbögen, es ist so still, gerade richtig, um tatsächlich einmal abzuschalten und für sich zu sein. Zu sein..... zu sein..... und nicht zu tun! Einfach schweben und abschalten. Mir bleibt genügend Zeit.

Seit dem 8.1.16 gibt es sie, die KAIFU-SOLE, das große Floating-Becken in der Hohe Weide. Ich bin hier richtig, wenn ich unter Hautreizungen, Gelenkbeschwerden und Atemwegsproblemen leide – und genauso richtig, wenn ich nichts von all dem habe! Ich hüpfe in meinen Bikini und gehe auf Entdeckungstour. Ich starte mit einem Gurken-Gewürzsalat-Bananen-Smoothie, dann zieht mich das stilvoll eingerichtete Kaminzimmer magisch an. Erst mal warm werden und einfach lange genug ins Feuer starren. So, ich wäre dann soweit!

Niemand kippt hier einfach Salz ins Wasser. Das Wasser wird über große Lastertanks angeliefert, nachdem das natürliche Steinsalz (Natursole Sülbeck) aus einer Tiefe von 400m unter der Erde gewonnen wurde, um es dem kühlen Nass beizumengen. Vorteile: liegen auf der Hand, Nachteile: Fehlanzeige. Nebenwirkungen: unbekannt. Als ich dann bis zur Brust im Wasser stehe, küsse ich zum Test das Salz von meinen Fingern.... was muss das Wasser verliebt sein (6% Salzgehalt).

Ich mache mich kerzengerade, das Wasser trägt mich wie eine Luftmatratze. Das ganze Becken habe ich für mich allein, nur vereinzelt haben sich ein paar Gäste in Kuscheldecken (vorhanden!) eingewickelt und lesen oder schlafen, oder träumen einfach vor sich hin. Bis über beide Ohren unter Wasser, höre ich zum ersten Mal deutlih die musikalische Beschallung. Osmanische Klänge und Panflötenorchester? Das wars, es wirkt, ich bin bereits im Dämmerzustand und schließe einfach meine Augen. Die Dauer von 20 Min. sollte nicht überschritten werden, so wähle ich freiwillig knapp 10 (meine übliche Saunaganglänge), dann springe ich unter die beleuchtete Dusche, die mir abwechslungsreiche Programme liefert. Auf Verdacht drücke ich alle eingebauten Knöpfe an den Kacheln und werde von allen Seiten überrascht, herrlich! Ich muss solange Pause machen, wie ich im Wasser trieb, also setze ich derweil das Inspizieren fort.


Eine Dampfsauna hier und eine finnische Sauna dort. Eine Bar mit freundlichen Keepern und … die Treppen im hinteren Teil führen entweder auf die Empore oder auf die Dachterrasse. Wer eine Aussicht sucht, wird enttäuscht, doch die Liegen und Ei-Schaukeln machen alles wieder wett. Wie muss es hier im Hochsommer erst sein – oder meinetwegen auch im Winter, wenn es schneit! Nach meinem Rundgang höre ich das Salz schon wieder nach mir rufen. 32 Grad Wassertemperatur – ich könnte gern noch 10 Grad mehr ertragen, dann hätte ich die so geliebte Badewanne ohne Schaum.
Solange noch immer kaum einer das Becken mit mir teilt, und auch die Zuschauerzahl am Liegenrand extrem überschaubar ist, experimentiere ich mit gymnastischen Übungen – es funktioniert! Wie ein Aal, besser eine Meerjungfrau, winde ich mich hin und her und spüre meine Bauchmuskulatur, obwohl die hier ja eigentlich mal ruhen sollte.

Nach meinem zweiten Salzgang plaudere ich eine Weile mit den Bademeistern, ich versuche ihnen ein paar Anekdoten zu entlocken, doch kriege lächelnd einen Korb: „Also, was hier so geschieht, das bleibt natürlich auch hier!“ Ich verstehe..... ich verstehe! Jetzt fehlt mir noch dieses Kalttauchbecken. Ich schicke meine Zehen voran und schaffe unmöglich den Rest meines Körpers! Lieber noch ne Runde dampfende Sauna - gut für Gelenke und Stoffwechsel! Jetzt brennen meine Augen, man sollte niemals – NIEMALS geschminkt ins Dampfbad gehen, da hilft auch meine „wasserdichte“ Funktion nicht mehr!

Zum Abschluss hüpfe ich ins Sprudelbecken, dachte an Badewassertemperatur, doch hat es die gleiche Temperatur wie das große Becken. Egal, die Düsen massieren mein Hüftgold!

Knapp 4 Stunden war ich hier, komme mir vor, als hätte ich mich in Salz geaalt, meine Haut ist weiß und trocken. Ich bin müde, aber ohne Spur von Erschöpfung. Mit anderen Worten: Ich habe keine Tusche mehr auf meinen Wimpern, fühlte mich aber heilig, weil ich vom Wasser wie auf einem silbernen Tablett getragen wurde (man ist entspannter als auf einer Couch), und ich liebe seit heute wieder Panflötenmusik!
Mein Fazit? Unbedingt allein hier herkommen, ein schönes Buch mitnehmen (Handy-Verbot!), bewusst ruhen und sich wirklich durch rein gar nichts aus der Ruhe bringen lassen - entweder durch ein Nickerchen auf der Liege oder treibend auf dem Wasser. Verweile ohne Eile!


Und auch wenn alles noch am Anfang ist, ich bin mir sicher, dass ich schon in ein paar Wochen wieder komme. Ich stelle mir vor, wie man mir eines Tages einen Bademantel reicht und ich meine Bestellung von Drinks und Snacks direkt von meiner Liege aus abgeben kann. Und noch mal eines Tages später wird man das Dach vielleicht aufklappen können, damit sich jeder in den Himmel träumen kann. Bis dahin aber genießt man am Abend einfach das Wechselspiel der bunten Lichter in der Therme. Verdammt romantisch. Apropos – 1-2 Doppelliegen für Paare wären vielleicht gar nicht so übel! Also – gönnen wir uns viel mehr solcher Tage oder Stunden, die nur uns allein gehören.
 
Und mit einem Preis von 21-26€ / Tag kommt man sogar noch in den Genuss weiterer Angebote:
 
www.baederland.de/bad/kaifu-sole



 "Salz auf unserer Haut!...hatte ich den Schinken in den 80ern nicht mal gelesen und fand ihn sogar gut?