Schön ist sie. Nicht nur, weil dieses ungebrochene Strahlen von ihr ausgeht: Jeannine Platz-Kühn. Ich treffe dieses zarte elfenartige Wesen mit Rapunzels Haar in ihrem Atelier im Hinterhof in Ottensen. Sie wirkt zerbrechlich, doch die Themen, die sie schultert, sind groß. Sie erzählen uns von unbändiger Sehnsucht nach Meer, mehr und Schiffen (Container-), auf denen sie schon mal die Welt bereist. 

 

Ihr Zuhause ist der Sand unter den Füßen und das Salzwasser im Gesicht. Ihre Leidenschaften der Aufbruch und die Heimkehr.

 

Sie wirkt so akrobatisch und tänzerisch, wenn sie kalligrafiert und wenn sie malt – sie tobt wie das Meer, braust auf, schäumt über vor Glück, weil sie tut, was sie schon immer tun wollte.

 

Aufgewachsen eher kleinbürgerlich und eng im Geiste, fließt durch ihre Gene das Künstlerblut des Großvaters, der alles andere als ein brotloser Maler gewesen sei. Ich sehe sie jetzt die Feder schwingen, als sei sie ihr angewachsen.

 

Ihre Kunden wollen Noblesse, und die obliged: Hermes, Lagerfeld, Chanel, Berenberg – bescheiden wie sie ist, beendet sie die Liste mittendrin. So groß sie ist, und so bekannt, verliert sie nie die Augenhöhe zu Menschen aller Couleure und schwärmt dabei von einem Punk, ihrem Lieblings-Zeitungsverkäufer, den sie bei jeder zufälligen Begegnung ganz fest umärmelt. Und kurz danach wechselt sie die Szene und erfreut Menschen, deren Namen sie kalligrafiert, die gerade ein paar Nachbarn Hermes-Taschen verschenken. „Ich werde so berührt von Dingen, dass ich mir stets nur wünsche, auch Menschen zu berühren, die in meinen Bildern versinken und dieses Glück hautnah nachempfinden können.“ Es passt zu ihr, was sie erzählt.

 

Die Ehefrau und Mami von 2 Töchtern bleibt trotzdem gern ein Einzelgänger, will sich entfernen, abtauchen in ihren Farb- und Tintenrausch, um sich danach wieder der Nähe hinzugeben. Zuhause lebe die Dynamik – sehr offen wohne die Familie, und wo auch Wände die Gesichter wechseln: hier die Wand voller Blattgold, dort eine Tafelwand, weiter hinten bemalter Beton voll eigener Poesie. Und wer sie nicht im Atelier besuchen kann, der findet den Geist der Künstlerin neben Galerien auch an einer Mauer – sie liebe Mauern und mache sich gerade auf, weitere für ihre Kunst zu entdecken – direkt in Övelgönne, am Strand neben der „Strandperle“. Mindestens einmal pro Woche lehne sie sich an die Mauer und beobachte stundenlang die Containerschiffe, träume von vergangenen und zukünftigen Containern, die mit ihr über die Meere gleiten. Das Meer wird auf sie warten. Und ich bin sicher – ein Museum von Welt eines Tages auch.

 

Sie ist eine von den ganz Großen, auch wenn sie erst mit 20 Jahren in malerische See gestochen ist (Anm.: Schauspielerin; Werberin; Regisseurin)! Jeannine Platz - eine mit ungeheurer Strahlkraft, Anmut und Ehrlichkeit im Herzen. Und sie sprudelt, will mitteilen, teilen - und ahnt docht, dass ihre Bilder noch viel mehr Bände und Eindrücke sprechen können.

 

Als unser Teekännchen geleert ist, verlasse ich gefüllt das Atelier - im Handgepäck 2 kaum zu glaubende Angebote von ihr an mich.